Gaamer ETH #011: Röwü lah passiere

Der Düdinger Sven Krattinger kommt im Studium an der ETH Zürich mit Leuten aus der ganzen Schweiz in Kontakt. Er schaut in seinem letzten Blog zurück und erzählt, wie es ihm als Sensler in der Ferne ergangen ist.

Wie die Zeit vergeht! Ich kann mich noch erinnern, wie ich zum ersten Mal als Student einen Fuss in die ETH gesetzt habe. Dies ist drei Jahre her. Drei Jahre! Das ist ein Achtel meiner Lebenszeit. Ein Achtel meiner Lebenszeit, den ich an der ETH studierte. Ein Achtel, den ich in Zürich lebte, fern von meiner Heimat.

Eben erst habe ich die letzten Zeilen meiner Bachelorarbeit abgetippt und somit das kumulierte Wissen aus drei Jahren Ingenieurstudium auf Papier bringen dürfen. Da wird es Zeit, dass ich jetzt auch ein paar Zeilen tippe und die kumulierten Erfahrungen aus drei Jahren Lebenszeit in Zürich nochmals zusammenfasse. Dies möchte ich in diesem Blog tun: Die letzten drei Jahre «röwü lah passiere».

Va Dialäkt u Brüüch

Mein allererster Blog handelte davon, dass die Dialekte praktisch der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Schweizer Regionen sind. Damit lag ich wohl daneben: Die Grossstadtatmosphäre hatte sicherlich auch weitere Einflüsse auf die Verhaltensmuster der Stadtbewohner. So wird in Zürich grundsätzlich nicht gegrüsst (Gaamer ETH #003) und auch die Sprache zeugt trotz ihrer niedlicheren Aussprache (Gaamer ETH #007) von mehr Egoismus (Gaamer ETH #010). Auch ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass Zürcherinnen und Zürcher sich mit anderen Dialekten auseinandersetzen. Während dies für grosse Dialekte wie Bäärndütsch oder Booslerdütsch kein Problem ist, geht man mit Seislertütsch unter. Ein Überlebenshandbuch (Gaamer ETH #008) oder gar die Hilfe von Künstlicher Intelligenz (Gaamer ETH #009) werden hier hoffentlich bald etwas Abhilfe schaffen.

Doch auch die Bräuche prägen die Stadt – nach drei Jahren beginnen sie sicherlich auch mich zu prägen. So muss man als Stadtzürcher überzeugt sein, dass der Sommer dieses Jahr so kalt blieb, weil ein Schneemann nicht verbrannte. Aber auch die alljährliche Street Parade, welche Menschen aus ganz Europa anzieht, gehört zum jährlichen Pflichtprogramm. Grössere Polizeiaufgebote wie bei den Erstmaiprotesten prägen das Stadtbild an vielen Tagen genauso wie die Südkurve und die Abertausende von Sticker und Graffitis, welche stolz «Züri isch ois» verkünden.

Es herrscht ein ähnlicher Stolz auf die Heimat wie dies im Senseland der Fall ist. Der Stolz ist sicherlich lauter und offensichtlicher. Doch genau wie wir auf unsere Berge, unseren Käse und Freiburg-Gottéron stolz sind, sind es Zürcherinnen und Zürcher auf ihren See, ihre Hochschulen und ihren FCZ.

Achterbahnfahrt Studium

Auch über ebenjene Hochschulen habe ich vieles erfahren. Als ETH-Student ist die neutrale Berichterstattung sicherlich nicht ganz leicht. Seien es die speziellen Lehrmethoden (Gaamer ETH #002), die strengen Sommerlernphasen (Gaamer ETH #004) oder die Kontroversen bezüglich der Videoübertragung (Gaamer ETH #006) – die Zeit an der ETH war eine abwechslungsreiche, lehrreiche Achterbahnfahrt. Nach drei Jahren und einem beinahe abgeschlossenen Bachelor blicke ich auf eine Zeit zurück, die nicht immer einfach war. Es war aber auch eine Zeit, bei welcher ich keine Sekunde anders machen würde. Insbesondere aber ist es eine Zeit, welche mich für meine Zukunft vorbereitet hat.

Genau diese Zukunft hält ein Masterstudium an der ETH Zürich für mich bereit. Nebenbei werde ich in einem grösseren Pensum die Nationale Leitung des Company Programme von YES weiter betreuen.

Auf dieses neue Kapitel freue ich mich und möchte seinen Beginn als Wendepunkt nutzen. Was ich damit sagen will: Dies wird mein letzter Blog in diesem Rahmen gewesen sein. Es hat mich gefreut, euch noch ein letztes Mal mitzunehmen in meine Gedanken als Sensler in der grossen weiten Welt. Ich möchte mich bedanken für die tollen Kommentare, welche ich über die Jahre erhalten habe und für das interessierte Mitlesen an meinen Gedanken. Es war eine tolle Zeit mit euch – und ich bin sicher, dass ihr auch in Zukunft von mir und meinen Gedanken hören werdet – wenn dann auch in einer anderen Form.

Nachlesen: https://seisler.swiss/gaamer-eth